Briefinhalte 3

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 2 Briefe von der 297. Infanterie - Division

 1) Brief vom Feldwebel Albert K. - FpNr. 17206 = 14.Kp.Inf.Rgt. 524
   bei der 297. Infanterie - Division - geschrieben am 22.12.1942 an
   seine Frau Elisabeth K.

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            Dienstag, den 22. XII. 1942

Mein lieber & kleiner Goldschatz,

Schon wieder ist ein Tag vergangen & wie üblich sitze ich morgens nach dem Kaffeetrinken, waschen & rasieren da um meinem Spatz zu schreiben.
Ein Tag gleicht dem anderen, es ist immer wieder dasselbe. Von morgens bis abends wird gewartet & gewartet & immer wieder fast nichts Neues, im Gegenteil, der Eintopf wird immer dünner, viel Wasser & dazu noch Fleisch. Und das viele Fleisch hängt einem auch so langsam irgendwo raus. Unser Schrei ist nach Brot, und schon wochenlang, aber es wird halt nicht mehr & wir müssen uns auch weiterhin mit mit dem zufrieden geben was es gibt.
Die Russen haben uns diesmal Weihnachten schön versauert, denn ich glaube kaum, dass sich bis dahin noch viel ändert. Ein trauriges Weihnachten wird es geben, aber mit dem Herzen wollen wir dabei sein, wenn uns auch an diesem Tage niemand was schenken kann, wo wir mal so notwendig hätten, damit wir uns mal wieder satt essen könnten. Einmal wieder was anderes als immer nur jeden Tag dasselbe, Eintopf mit Rind- & Pferdefleisch, 200 gr. Brot & a bissle Butter & für mittags 50 gr. Wurst. Tag für Tag, wir könnens nun bald auswendig & trotzdem ist man begierig was sie Neues von hinten mitbringen. Nichts, sie wissen selbst nichts & die Sprücheklopferei vom Chef wird auch so langsam nachgelassen haben.

 Es ist nur gut, dass die Nächte so lang sind, bei uns wenigstens, denn mittags um 3 Uhr fängts ja schon an.
Z. Zt. ist ja Vollmond & deshalb trotzdem noch hell bei uns, wenn gerade keine Wolken da sind , aber sonst ist es doch die meiste Zeit Nacht.
Vom Nachtessen um 4.25 Uhr bis morgens zum Kaffee gegen 8 Uhr ist halt doch eine lange Zeit & dann gibts auch noch gleich 2 ganz dünne Scheiben Brot.
Na, heute gibts wieder mal Pferdegoulasch, damit wir wenigstens wieder was im Bauch haben & am Abend nicht gar so hungrig.ausschauen .
Ja in letzter Zeit sieht es sehr mies aus, es geht alles eine Zeitlang, aber dann wirds auch Schei .... !  4 Wochen ist halt doch eine lange Zeit, die nur mit so halben Portionen .
Ich glaube, dass wir durchweg etwas magrer geworden sind, aber das merken wir garnicht, so wenn wir dauernd beisammen sind.
Gestern Abend hats 3 Zigaretten gegeben & die habe ich im Laufe des Abends gleich geraucht & heute - jetzt ist es 10 Min. nach 10 Uhr - habe ich bis jetzt noch nichts geraucht & es sieht auch nicht danach aus, denn ich habe nichts mehr , nur noch Plättchen, mit denen allein kann man nichts anfangen.
Das es mir nochmal so schlecht gehen würde, hätte ich auch nicht gedacht.
Aber so passt alles zusammen, nichts zu essen & nichts zu rauchen aber gesund sind wir wenigstens noch, das ist der einzige Trost !



Und sogar sehr wichtig.
Ich fühle mich wenigstens noch etwas unterernährt, sind wir ja durch die letzte Zeit & deshalb und deshalb auch nicht mehr so leistungsfähig.
Nun habe ich Dir mal wieder den ganzen Brief lang vorgejammert, aber ich kann Dir nicht schreiben es gibt Schnitzel mit Kottlett garniert, wenn wir so wenig zu essen bekommen, aber so gehts wenn man sich einkreisen lassen muss !
Na, es kommen auch mal wieder andere Zeiten - so hoffen wir mal - nicht dass es noch schlechter wird, denen sieht ja alles gleich.
Mir isch aber gleich, i ben ja net alloi, s`gäht nomah so wie mir !!
Au denne Obere ! - bloss, dass dia sicher a bissle meh z z`essen henn !!
Noch 2 Tage, dann haben wir den hl. Abend.
Was wird uns die Zeit bis dahin noch vieles & Gutes bringen ?
Hoffen wir mal, dass irgend etwas kommt, was, ist ganz egal ... Post, a Päckle, mehr Brot oder irgend was, nur dass man sich auch ein klein wenig freuen kann !
Und so geht es Weihnachten 1942 entgegen !!
Dir, mein Gold, recht herzl. Grüsse & viele 1000000
liebe, lange & süsse Küsse überallhin & in Gedanken bin ich immer nur bei Dir .
Dein so gl. & tr. nur Dir g. a. gel.

              Albert
seitlich:
Bleibe gesund ! Ein bes. Kuss für Dich

 2) Brief vom Feldwebel Albert K. - FpNr. 17206 = 14.Kp.Inf.Rgt. 524
   bei der 297. Infanterie - Division - geschrieben am 03.01.1943 an
   seine Frau Elisabeth K.

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         Sonntag, den 3. Januar 43

Mein lieber, guter Goldschatz !

Und heute ist schon wieder Sonntag, wir merken ja, wenn wir am Datum nicht sehen würden, nichts davon , denn bei uns ist ja jeder Tag gleich.
Nur bei mir & in meinen Herzen drin da ist Sonntag,
das weisst Du ja, heute ist wieder unser Tag, an welchem wir Gnade, Sündenvergebung, den Segen Gottes hinnehmen dürfen & das brauchen wir wie das tägliche Brot, wenn es bei uns auch momentan nur wenig Brot gibt, aber wir brauchen es. Wir sind zwar heute morgen etwas spät dran, denn es gab viel Arbeit .Ich mache nämlich für heute mittag das 1. Mal den Goulasch selbst, dass es kein Kalbs oder sonstige ist, kannst Du Dir ja denken, aber so ein gutes Pf . Goulasch is nämlich auch was wert
Der Hunger wird mal wieder gestillt & das ist ja schliesslich die Hauptsache. Gestern war unser Chef mal wieder da, viel Neues gab es nicht, nur das unsere Kp., also die, die etwas rückwärts sind, ab sofort nur noch 50 gr. Brot pro Tag bekommen. & das ist schon allerhand wenig.
Wenn man sich vorstellt, so ein Wecken oder Milchbrot wird auch 50 gr. haben & das für einen ganzen Tag. !
Bei uns soll es vorläufig nach 200 gr. geben, also wie bisher. Es sollen bei diesem trüben Wetter keine Ju`s mehr fliegen können & da wollen wir nur hoffen, dass es recht bald wieder kälter wird. Es fing nämlich schon an zu tauen & Nebel hats auch gehabt gestern. Es wird halt vorgesorgt, nicht dass wir plötzlich dastehen, haben gar kein Brot mehr. Mit dem Essen wird es auch etwas weniger, es gibt kein Kochgeschirr mehr voll, weil selbst das Pferdefleisch eingeteilt werden muss. Na, wir wollen uns nicht da drum Sorgen, zu essen wird es nun wieder was geben, wenn auch wenig, aber mit der Zeit gewöhnt man sich aber auch da dran. Dicker wird natürlich keiner dabei, aber verhungert sind wir auch noch nicht, nur nicht mehr so bei Kräften & das kann man bei anständiger Kost bald wieder nachholen. Man darf halt nur nicht krank werden, denn weg kommt keiner, es geht ja auch nicht, nur ganz schlimme Fälle von Schwerverwundeten, wo kein Spezialarzt hier ist, die kommen mit der Ju weg, alles andere wird hier kuriert.
Weil wir noch Hunger hatten, machten wir gestern Abend noch unsere Postfahrerwurst warm, die ja eigentlich für heute mittag gewesen wäre, aber dafür gibts ja Goulasch bei uns. Zum Rauchen haben Sie gestern Abend für den ganzen Tag wieder 1(einen) Stumpen gebracht, den habe ich dann mit dem Messer zu Tabak zerschnitten & so gabs etwa 4 - 5 Zigaretten,
da haben wir wenigstens mehr davon.
Ja, man kommt auf allerei Sachen, nur wegen dem leidigen Rauchen & gut ist es doch, gerade wenn es so wenig zu essen gibt, dann kann man den Hunger immer etwas eindämmen & hinausschieben. Es wird doch hoffentlich auch bald mal anders kommen.
Wir können uns das garnicht mehr vorstellen, normale Portionen, das ist schon so lange her, dass wir das mal gehabt haben. Ich bin mal gespannt wie mein Goulasch heute schmeckt, also die Sosse ist nicht schlecht, nur das Fleisch jetzt noch etwas zäh, aber wir werden noch
1 1/2 Stunden kochen lassen, sehen ob wir nicht doch weich bringen. Auf jeden Fall haben wir uns wieder mal beholfen & können uns sattessen, wir hoffens wenigsten, dass es auch was wird!
Pf .Fleisch, Kaffee & Salz das ist alles was wir zur Verfügung haben, aber es wird schon werden.
Deinen lieben Brief vom 18. XI. will ich nun vollends beantworten. Damals am 7.XI. haben wir noch etwas zu früh mit einem Angriff gerechnet, als mal einige Tage vorbei waren, sich weiter nichts tat, dann dachten wir sie kämen auch nicht mehr. Na & am 20. XI sind Sie halt dann plötzl. bei den Rumänen gekommen, wie, dass die`s garnicht mehr halten konnten & da hat sich dann im Laufe der damaligen Tage alles so gebildet wie es jetzt ist.
Und inzwischen sind bereits 6 Wochen vergangen, dass es nach solch langer Zeit noch nicht bereinigt wäre hätten wir nicht gedacht, aber die Übermacht war halt doch zu gross. Truppen seien von uns ja wieder im Anmarsch haben wir gestern gehört, aber die waren auch schon vor 4 Wochen im Marsch !!Ich bin ja gespannt wie Du`s endgültig geregelt hast mit der Partei wegen der Marke. Du hättest Dir ja das Pä `geben lassen können, sorgen , Du hättest keine Marke mehr,
aber da dran habe ich damals auch nicht gedacht. Gekriegt haben wir ja bis heute noch kein Pä. & wer weiss ob überhaupt mal. Und um all die Sachen ist uns so leid, denn wie gut würde uns jetzt so nebenbei ein
Pä. tun !! Und da hinten wo sie vielleicht noch liegen, wenn sie zum Teil nicht schon geklaut oder aufgefressen sind von Mäusen geht das Zeug kaputt ! Wir wollen aber froh & dankbar sein, wenn wir auch gesund sind, wir kommen auch mit diesem wenigen aus, wenn es nur recht bald auch mal wieder besser wird, aber wer kann das sagen.
 “Harret aus, der Führer haut uns raus !” ist unsere Parole, aber bis wann ? Hoffentlich bald !
Nun sende ich Dir, mein Gold die allerherzlichsten Grüße & viele 100000 liebe, lange & süsse Küsse überallhin.
Stets Dein so gl. tr. &. D. g. a. geh.

Albert
/seitlich) Bleibe gesund !K
Kusss ! Du !!